Protagonisteninterview

In einer Autorenchallenge stellte Bo sich offen den Fragen. Die Antworten gab er übrigens am Ende des dritten Teils der Serie:


1. Bitte stell Dich vor:
Herzlich willkommen! Ich freue mich auf unser Gespräch. Mein Name ist Bo Heller, ich bin eine der drei Hauptfiguren der „Zimt & Zitrone“-Trilogie von Ambra Lo Tauro. Als persönliche Biografin hat sie uns über sechzehn Jahre begleitet. Sie bat mich, möglichst wenig zu verraten. Ich gebe mir Mühe, aber dann hätte sie eher mein 36jähriges Ich befragen müssen. Heute, mit 52 Jahren, glaube ich aber, wesentlich mehr erzählen zu können. Ich bin inzwischen auch deutlich offener. Mein beruflicher Hintergrund: Ich bin Journalist und schnell in den TV-Bereich gerutscht. Inzwischen arbeite ich als Moderator einer Infotainment-Show. Privat lebe ich in einer festen Beziehung und habe zwei Kinder, einen zehnjährigen Sohn und eine fünfjährige Tochter. Meine Mutter ist Schwedin, mein Vater Deutscher, aufgewachsen bin ich abwechselnd in beiden Ländern und arbeite nun auch in beiden. Wegen meiner Frau lebe ich in Süddeutschland, wobei wir gerade den Umzug nach Hamburg planen.

2. Beschreibe Dich selbst:
Ich bin 1.92 Meter groß, habe eine athletische Figur, blonde Haare und hellblaue Augen. Über die eigene Persönlichkeit zu sprechen finde ich schwierig, deshalb zitiere ich aus Liebesbekenntnissen, die mir vor einigen Jahre geschenkt wurden.
„… bist du derjenige, der mein Leben und mich besser macht, farbiger und strahlender. Du bringst Licht in jede Ecke meines Lebens … Deine Freude am Leben, deine Gelassenheit, mit der du den Stürmen begegnest, deine unerschütterliche Hingabe, die Lebenskraft, die du in dir trägst und die mich stark macht, bereichern mich, seitdem ich dir begegnet bin …“ und „… Bo, du bist der beste Mensch, den ich kenne. Neben dem, dass du unverschämt attraktiv bist, bist du klug, gelassen, fröhlich, immer da, wenn man dich braucht, du zeigst mir, wo es langgeht, wenn ich die Orientierung verliere …“
Das rückt mich natürlich in ein sehr gutes Licht, besser, als ich wirklich bin. Wo Licht ist, gibt es auch Dunkelheit. Ich selbst bin jedoch mit beiden Seiten meiner Persönlichkeit zufrieden und froh, dass sie sehr gut in meine Beziehung passen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das möglich ist.
Ich freue mich auf unser weiteres Gespräch!

3. Lieblingszitat
„Die Feder ist mächtiger als das Schwert“ von William Bulwer-Lytton. Als Journalist sehe ich mich als „Krieger des Wortes“ und einmal kam es sogar vor, dass das geschriebene Wort von mir und meinen Co-Autoren Waffengewalt auslöste. Das war eine beängstigende Erfahrung, die mich eine Weile ins Krankenhaus brachte. Trotzdem bleibe ich dabei, dass am Ende das geschriebene Wort mehr ausrichtet als Gewalt.
Auf meiner Brust trage ich eine Tätowierung von einer Feder, die mit einem Schwert gekreuzt ist. Die Feder ist obenauf. Ambra Lo Tauro fand das so toll, dass sie es mir nun sogar nachmachte und das Bild auf ihrem Arm trägt. Ich fühle mich geschmeichelt.

4. Gibt es Gerüchte über dich?
Unzählige im Laufe der Zeit, und die meisten waren berechtigt. Ich befürchte, deshalb bin ich heute auch kein Schwiegermuttertraum mehr, sondern eher ein „Enfant Terrible“. Nur einmal brachte ich die Bombe selbst zum Platzen, die Sache konnte sich wohl keiner vorstellen.
Aber besser so, als immer etwas zu verbergen. Vor allem Nick, dessen Leben meines berührt, steht so sehr in der Öffentlichkeit, dass manche Leute sich wie Trüffelschweine benehmen auf der Suche nach Skandalen. Es fällt mir schwer, diese Menschen als Kollegen zu bezeichnen.
Außerdem: Wer immer brav und angepasst ist, läuft Gefahr, den ganzen Spaß zu verpassen, oder nicht?

5. Auf welche zwei Dinge kannst du nicht verzichten?
Auf Sport! Außerdem bin ich glücklich, heute auch in der Liebe alles zu bekommen und auszuleben, was mir gut tut. Ich konnte zwar darauf verzichten, aber so ist es eindeutig besser. Näher darf ich es hier nicht beschreiben, aber wer meine Sendung kennt, weiß Bescheid. Am allerwichtigsten ist natürlich meine ganz besondere Regenbogenfamilie, aber das ist für mich nichts, was unter den Begriff „Ding“ fällt, das sind Menschen.

6. Bist du anders als andere Menschen?
Definitiv! Der Lebensstil, den ich pflege, stößt häufig auf Unverständnis und Ablehnung. Um Toleranz dafür zu gewinnen, wie ich lebe, kämpfe ich. Letztendlich schaden wir auf unserem Weg niemandem und die Meinen und mich macht es glücklich.

7. Was wissen die meisten Menschen nicht über dich?
Heute habe ich kaum noch Geheimnisse. Vor 16 Jahren beherrschten sie mein Leben. Dabei geht es vor allem darum, wen und wie ich liebe.
Die Enthüllung dieser Themen war häufig schmerzhaft, nicht nur für mich. Damals hätte ich niemals gedacht, dass wir dieses Maß an Offenheit erreichen würden. Doch im Laufe des Lebens wurde es mir immer mehr bewusst, wo ich überall eine Maske trage. Das ist mir zuwider. Und so fiel eine nach der anderen. Ich bin froh, heute mir selbst und niemandem sonst mehr etwas vorzumachen. Auch das ist eine Art von Lebensqualität.

8. Wie entspannst du dich?
Sport spielt eine große Rolle, wie ich schon mehrfach angedeutet habe. Wenn ich ehrlich bin, und schließlich will ich keine Geheimnisse mehr haben, geht die Entspannung über diesen Weg der körperlichen Ertüchtigung darüber hinaus. Aber wieder sind wir an dem Punkt, an dem ich nicht mehr sagen soll. Ich mag keine Geheimnisse haben, Ambra schon. Wenn Ihr mehr über meine ganz persönlichen Neigungen und Vorlieben wissen wollt, bei denen ich zu Ruhe komme, empfehle ich Euch, die Romane über mich zu lesen. Damit sind wir dann beide zufrieden, sie und ich.

9. Welches Wort bringt dich auf die Palme?
Früher war es „pervers“. Denn wer bestimmt, was normal ist? Ist es so etwas Abstoßendes, anders als die Masse zu sein? Inzwischen kann ich aber entspannt und selbstbewusst damit umgehen. Als mich neulich jemand fragte, ob ich nicht der Perverse aus dem Fernsehen sei, antwortete ich: „Nein, Sie verwechseln das. Ich moderiere eine Sendung für Perverse. Schalten Sie öfter ein?“
Heute ist es eher der Satz: „Ich meine es gut“, vor allem, wenn ich dabei die Stimmer meiner Mutter vernehme, der einen roten Knopf bei mir drückt.

10. Gibt es in deinem Leben etwas, mit dem du nicht abgeschlossen hast?
In der Tat, da gibt es eine alte Wunde. In den ersten neun Jahren meines Lebens führte ich in Schweden eine Kindheit wie in Bullerbü. Dann trennten sich meine Eltern und mein Bruder und ich mussten mit meinem Vater nach Hamburg ziehen. Plötzlich war ich das Kind, das die Sprache nicht perfekt beherrschte und deshalb für dumm gehalten wurde, meine übermäßig emotionale Mutter hatte uns verlassen. Unser Vater lebte uns Gelassenheit und intellektuelle Neugier vor, Gefühle schienen keinen Platz mehr zu haben, aber meine Mutter meinte es ja immer nur gut. In der Zeit gewöhnte ich mir an, die Maske des fröhlichen Sonnenscheins zu tragen. Ich wurde von allen gemocht, fand Freunde und sie konnte sich unbeschwert weiter ihrer Selbstverwirklichung widmen. Erst in den letzten Jahren gelang es mir, mit meiner Wahl-Familie Menschen zu finden, bei denen ich so sein kann, wie ich wirklich bin.


11. Wann und wo wurdest du geboren?
In Göteborg, wo meine Familie damals lebte. In den Romanen erfährt man, dass ich im April geboren bin und wie alt ich bei welchem Ergebnis war, an einer Stelle wird als Tag der Achtzehnte erwähnt. Das sollte eigentlich ausreichen. Ich weiß aber, dass Ambra heimlich mein vollständiges Geburtsdatum notiert hat. Es ist der 18. April 1974.

12. Feierst du deinen Geburtstag? Was bedeutet dieser Tag für dich?
Ich feiere generell gerne mit Familie und Freunden. Ein Geburtstag ist ein willkommener Anlass dafür, sofern es gerade in mein unregelmäßiges Leben passt. Wenn nicht, überstehe ich das Datum auch ohne große Party. Irgendjemand, der mir etwas bedeutet, ist immer da, mit dem ich den Tag zu etwas Besonderem machen kann. Es ist die Gelegenheit, bei der ich mir etwas wünschen darf. Das muss nicht unbedingt etwas Materielles sein. So wird der Tag nicht selten außergewöhnlich.
Was er mir sonst bedeutet: Ab diesem Datum muss ich bei meinem Alter eine höhere Zahl angeben.

13. Wie und wo bist du aufgewachsen?
Bis zu meinem neunten Lebensjahr hatte ich eine Bilderbuch-Kindheit in Schweden. Papa war oft abwesend, wie es viele Väter sind, vielleicht als Journalist zu Beginn seiner Karriere sogar etwas mehr. Aber Mamma war da und bot meinem Bruder Magnus und mir alles, was wir uns wünschten: Geschichten, Märchen, Ausflüge in die Natur, Skifahren in den kurzen Wintertagen mit Milch, Keksen oder Zimtschnecken in den dunklen Stunden. Im Sommer badeten wir oder fuhren Boot. Mamma ist Künstlerin und hatte damals ihr Wirken zeitlich zurückgeschraubt. Aber dann kam der Bruch: Die beiden trennten sich, Magnus und ich sollten mit unserem Vater gehen, der zurück nach Hamburg zog. Heute sehe ich es als meine zweite Heimatstadt an, damals war es das Exil. Unsere Deutschkenntnisse waren unvollkommen, alles war fremd, während mein Vater arbeitete, kümmerte sich ein Kindermädchen um uns. Fantasie und Emotionen, die eine so große Rolle gespielt hatten, waren plötzlich verschwunden. Wir waren gut versorgt, unser Vater liebte uns, aber es ging etwas verloren. Als er seine zweite Frau fand, wurde es besser, aber auf eine völlig andere Art und Weise. Dass sie mir einen Hund schenkte, machte mich wieder glücklich.

14. Warst du ein glückliches Kind?
In der Regel ja. Nur die erste Zeit in Hamburg war schwierig. Ich bin generell ein glücklicher Mensch, auch heute noch. Für mich wiegen die positiven Dinge des Lebens mehr als die negativen. Das war schon immer so.

15. Warst du gut in der Schule?
Ja. Der Landeswechsel war ein Bruch, aber auch den überstand ich und fand zu meiner alten Form zurück. Schließlich wollte ich allen Spöttern beweisen, wie schlau ich bin. Das war ein starkes Gefühl, sogar in Deutsch besser zu sein als die Hohlköpfe, die mir das Leben schwermachten. Bei manchen hilft es mehr, sportlich überlegen zu sein. Das bekam ich auch hin. Es tat mir gut, die Kontrolle zurückzubekommen. Wer in der Schule gut ist, bekommt mehr Möglichkeiten zur Selbstbestimmung. Ich habe eine schnelle Auffassungsgabe. Insbesondere das Tempo, in dem ich Informationen verarbeite, ist sehr hoch. Meine Lieben können oft nicht fassen, wie schnell und gründlich ich zum Beispiel Tageszeitungen lesen und erfassen kann.

16. Wofür bist du deinen Eltern dankbar?
Für vieles. Da wäre die glückliche Kindheit, vor allem zu Beginn. Die materielle Sicherheit, in der wir aufwuchsen. Dass die beiden auch nach der Trennung Freunde blieben und wir Bindungen zu beiden behalten konnten, ohne zwischen ihnen hin- und hergerissen zu werden. In zwei Ländern aufzuwachsen ist manchmal schmerzhaft, bietet aber auch viele Chancen. Meine Eltern passten nicht zusammen, aber für uns Kinder ergänzten sie sich wunderbar. Bei Mamma gab es Fantasie, Kreativität, Spontanität und intensive Gefühle, Papa lebte uns Ruhe, Gelassenheit und intellektuelle Aktivität vor. Es gab kaum ein Thema in den Nachrichten, das wir nicht sorgfältig ausdiskutierten. Beide Seiten machten mich zu dem, der ich bin. Von meinem Vater habe ich mehr übernommen, die Eigenschaften meiner Mutter bringen mich dazu, mich in Menschen zu verlieben.

17. Hast du viele Freunde?
Wie ist die Definition von viele, und wie die von Freund? Ich glaube schon. Die Maske, die ich für die Welt trage, sorgt dafür, dass die Menschen mich mögen. Lange gelang es mir nicht, Beziehungen zu führen, die drei Jahre überdauerten, aber das brachte mir zumindest mehrere Vertraute ein, zu denen meine Ex-Freundinnen wurden. Meine Familie und alle, die in irgendeine Weise dazugehören, sind inzwischen meine besten Freunde. In den letzten Jahren fand ich durch meinen Moderationsjob bei der Sendung „Anderliebe“ Kollegen, die zu Freunden wurden, wie ich es in der Vergangenheit nicht erlebt hatte. Und eine weitere Person fällt mir ein, die in keine dieser Schubladen gehört. Also ja, ich denke, ich habe viele Freunde.

18.Wer kennt dich am besten?
Sind das nicht immer langjährige Partner? Im Laufe von gemeinsamen Jahren erlebt man jede Seite eines Menschen irgendwann, oder nicht?
Vielleicht ist es aber auch mein Bruder Magnus. Wir verbringen zwar nicht viel gemeinsame Zeit, jedoch war er der Mensch, der in meiner Kindheit immer an meiner Seite war. Wir sind sehr unterschiedlich, verstehen uns aber auf eine Art und Weise, die mich selbst oft verblüfft. Dafür benötigen wir keine Worte. Meine Lebensweise kann er nicht nachvollziehen und gutheißen, doch ihm ist klar, dass sie für mich richtig ist und so zeigt er mir immer, dass er sie billigt. Ohne es je auszusprechen, wissen wir beide, dass wir uns … sehr viel bedeuten.

19. Wie zeigst du, dass du jemanden nett findest?
Wie jeder andere Mensch auch: Ich suche seine Nähe, verbringe Zeit mit ihm oder ihr, bin zugewandt, freundlich und aufmerksam. Also so, wie ich mich selbst sowieso am liebsten mag. Wie sonst?

20. Gibst du Menschen eine zweite Chance?
Natürlich. Wie könnte ich behaupten, viele Freunde zu haben, wenn ich nicht imstande wäre, zu verzeihen?


21. Ist es wichtig für dich, was andere von dir denken?
Nein. Allerdings ist für mich von Bedeutung, wie sie mit den Meinen und mir umgehen, und das ist miteinander verknüpft. Im Laufe meines Lebens bekam ich so viel positives Feedback, da fällt es für mich nicht ins Gewicht, dass einige Menschen uns ablehnen. Leidet aber jemand darunter, der mir etwas bedeutet, wird es auf einmal wichtig. Ein trauriges Beispiel ist meine Stieftochter Elisa, die sich sehr abhängig macht von der Meinung anderer. Nichtsdestotrotz bin ich nicht mehr bereit, zu verleugnen, wie ich bin.

22. Welche Charaktereigenschaft hättest du gerne?
Manchmal wünschte ich mir, weniger gelassen zu sein, beispielsweise mehr Wut, Trauer, Kummer in meinem Leben zuzulassen. Mein Weg, das zu bekommen ist es, mich mit Menschen zu umgeben, die davon im Überfluss haben. Das ist oft anstrengend, aber am Ende fühlt es sich an, als ob mein Leben nicht nur fließt, sondern lebhaft sprudelt. So mag ich es.

23. Bei welcher Gelegenheit hast du an dir selbst gezweifelt?
Daran erinnere ich mich nicht gerne. Aber inzwischen habe ich schon so viel von mir preisgegeben, dann antworte ich eben auch hierauf. Das war, als meine Ehe mit einem Knall zu Ende ging. Ich habe mich gefragt, wie ich mir nur selbst etwas vormachen konnte.

24. Bist du stolz auf dich?
Uneingeschränkt ja. Ich halte mich für einen guten Menschen. Das sieht nicht jeder so, aber da waren wir in diesem Gespräch schon einmal, nicht wahr? Wichtig ist mir, was die Personen denken, die mir nahe stehen.

25. Wie gehst du mit Kritik um? Welche Kritik hat dich am stärksten getroffen?
Die Fragen beantworte ich unabhängig voneinander. Bei Kritik werde ich mir zuerst darüber klar, ob sie berechtigt ist. Manchmal sind es versteckte Beschimpfungen, auf die reagiere ich gar nicht oder indem ich im wahrsten Sinne des Wortes schlagfertig pariere, wenn ich einen guten Einfall habe. Kritik, die mich weiterbringt, nehme ich gerne an und denke darüber nach.
Die Kritik, die mich am stärksten traf, war keine versteckte, sondern eine offene Beschimpfung. Es war in einem Streit während der Trennung von meiner Ex-Frau. Sie nannte mich komplett gestört. Das meinte sie ernst. Es traf mich, da wir drei Jahre miteinander verbracht hatten und sie mich so bezeichnete, gerade weil sie mich kannte. Sie wusste, wovon sie sprach. Und natürlich, weil sie mir darauf aufbauend unser Kind vorenthalten wollte.
Selbst die Erinnerung daran verändert mich heute noch, ich habe einen Kloß im Hals. Normalerweise habe ich mich besser im Griff.

26. Was würdest du als deinen größten Erfolg bezeichnen?
Das ist schwer zu beantworten. Die meisten Dinge, die andere wahrscheinlich als Erfolge betrachten, waren schlichtweg glückliche Entwicklungen. Zur rechten Zeit an der rechten Stelle, der günstige Lauf der Welt und ähnliches. Ich glaube, für mich ganz persönlich ist der größte Erfolg, dass es uns gelingt, unsere Beziehung trotz aller Widrigkeiten in Balance zu halten .

27. Fällt es dir leicht, um Hilfe zu bitten?
Ich muss gerade darüber nachdenken, ob ich schon einmal Hilfe brauchte. Spontan fällt mir nichts ein. Vermutlich bekam ich immer rechtzeitig Hilfe, ehe ich einen Mangel empfand. Natürlich kann es nicht sein, dass ich ohne Beistand mein Leben bewältige und selbstverständlich kommt er nicht immer von ganz alleine. Also gehe ich davon aus, dass es mir so leicht fällt, darum zu bitten, dass ich es nicht einmal bemerke.

28. Was war der beste Rat, den du jemals bekommen hast?
Das ist ein ähnlicher Fall wie gestern. Ich empfinde es nicht als Rat, wenn mir jemand einen guten Vorschlag unterbreitet, also nehme ich es nicht als bemerkenswert wahr, sondern richte mich einfach danach. Bin ich ignorant?
Eines fällt mir allerdings spontan doch noch ein! Als ich meine Freundin Malin kennenlernte, wollte sie mit mir über die Sorgen sprechen, die zur der Zeit mein Leben verdüsterten. Ich zögerte, sie mit einem Menschen zu teilen, den ich gerade erst kennengelernt habe. Als ich nicht damit rausrückte, drohte sie damit, mir das Vanilleeis wegzunehmen, das sie mir als Zungenlöser gebracht hatte. Sie sagte: „Falls du reden willst, musst du mehr Informationen bieten. Wenn nicht, dann lass mir mein Eis übrig.“ Ich entschied mich dafür, die Schüssel zu behalten und ihr zu vertrauen. War das schon ein Ratschlag? Es klingt nicht danach, schon gar nicht nach dem besten, den man im Leben bekommt. Der sollte schließlich wichtigere Dinge als Speiseeis betreffen. Aber ich betrachte ihn trotzdem so, denn als ich ihn befolgte, gewann ich eine der besten Freundinnen, die ein Mann haben kann.

29. Welchen Traum hast du? Welches Ziel verfolgst du und warum?
Ich träume davon, meine Lebensweise leben zu dürfen, ohne dass es jemand beachtet. Wie schön wäre es, einfach ohne Fragen akzeptiert zu werden. Dabei geht es mir weniger um mich selbst als vielmehr um die Menschen in meinem Umfeld, zum Beispiel die Kinder. Wir Erwachsenen entscheiden selbst und wissen, was wir tun. Die Konsequenzen tragen aber nicht nur wir. Und dafür setze ich mich ein: Indem ich offen alle Besonderheiten unseres Lebens preisgebe, erhoffe ich mir, dass die Leute sie irgendwann nicht mehr als diskutierenswert betrachten. Oder dass ich selbst alles abbekomme. Dass sie irgendwann die Sensationslust daran verlieren. Wir sind anders, das ist richtig, und ich habe blaue Augen. Warum sollten wir über das eine oder das andere sprechen? Es bringt nichts, beides ist einfach so.

30. Wie siehst du die Zukunft?
Hoffentlich glücklich in meiner Familie, so wie ich sie mir gestaltet habe. Gemeinsam alt werden, die Kinder zu starken, selbstbewussten und zufriedenen Erwachsenen aufwachsen sehen, das wünscht sich jeder. Weil ich immer an das Gute glaube, sehe ich die Zukunft genau so.
Hiermit verabschiede ich mich. Ich wünsche Euch allen eine Zukunft, die Euch glücklich macht und bedanke mich fürs Interview. Hoffentlich sehen wir uns mal wieder!
Euer Bo.