Geschichte meines Schreibens

Bevor ich schreiben konnte, nahm ich meine erfundenen Geschichten mit einem Kassettenrekorder auf, in meiner Kindheit der Höhepunkt der Technik. Sie handelten von einem Teddybären. Mir war klar, ich will Schriftstellerin sein.

Im Laufe der Grundschulzeit wurde mir bewusst, das ist kein Ausbildungsberuf. Ich entschied mich, ich müsse zuerst etwas Lebenserfahrung sammeln, um beruflich über das Leben schreiben zu können. Trotzdem schrieb ich weiter, Kurzgeschichten und, wie so viele Teenager, Gedichte. Um meine Ausdauer zu trainieren schrieb ich zwei Romane im Stile von Groschenromanen. Heute wäre das wahrscheinlich eine hochpeinliche Angelegenheit für mich, die Schulhefte wieder zu lesen. Meine größten Erfolge in der Zeit waren ein dritter und ein erster Platz im Nachwuchs-Schriftstellerwettbewerb der regionalen Presse.

Mit siebzehn las ich einen Roman über ein schwules Paar Akrobaten, der mich sehr berührte. Nie hatte ich etwas so Romantisches  gelesen. Daraus entsprang eine Idee für eine Geschichte. Bald war mir klar, es müsste ein Roman werden.

Ich konnte ihn nicht schreiben. Aber auch nichts anderes mehr. Abgesehen von Briefen, Artikeln für die Mitarbeiterzeitschrift meiner Firma und später Social Media-Aktivitäten. Das Ziel, Schriftstellerin zu werden, rückte in die Ferne. „Wenn ich in Rente bin …“

Beruflich lief es viele Jahre lang gut, die Arbeit erfüllte mich. Dann kam der berufliche Knick durch die Kindererziehung. Vielleicht war es das Alter, irgendwann erkannte ich, mein Leben steckte in einer Krise. Heute denke ich, die Bezeichnung Midlife-Crisis passt.

Zwei Freundinnen sagten mir, ich müsse schreiben, um meine Krise zu bewältigen. Keine wusste, dass das mein Lebensziel war. In einer Mutter-Kind-Kur im Juli 2015 sah ich endlich die Chance dafür.

Ich schrieb drei Wochen lang in jeder freien Minute.

Was zuerst als nur für mich bestimmte Verarbeitung meiner Krise gedacht war und ein Spaß-Projekt für meine Faszination an der Musikszene war, entwickelte sich schnell zu einer Geschichte, die ich anderen erzählen wollte.

Im Laufe des Schreibprozesses erkannte ich auf einmal die Geschichte wieder, die ich als junges Mädchen noch nicht schreiben konnte. Sie hatte mich nie losgelassen. Nun war sie reif, oder ich war reif dafür.

Aus den Anfängen stammen die Ähnlichkeiten, die Dani, Protagonistin von „Zimt und Zitrone“, mit mir hat. Wer diese Ähnlichkeiten erkennt, nehme bitte zur Kenntnis, dass ich nicht über mich schreibe. Mir gefiel die Geschichte, wie sie sich herausgeschält hat. Hätte ich Dani die Ähnlichkeiten zu mir genommen, wäre es nicht der Roman geworden, den ich erzählen wollte. Also: Augen zu und durch!